Wellmersdorf ist einer von 22 Ortsteilen der Großen Kreisstadt Neustadt bei Coburg, die im Nordosten des Landkreises Coburg in einem weiten Talkessel an den südlichen Ausläufern des Thüringer Waldes liegt.
Vom kleinen Röthenbach durchzogen, schmiegt sich unser Dorf mit seinen ca. 130 Einwohnern zwischen die Anhöhen Stiefvater ( 460m ) und Fechheimer Berg ( 484m ).
Erstmals wurde Wellmersdorf am 13.September 1307 urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde überlässt der brandenburgische Stadthalter Walter von Barby den Mönchen von Kloster Banz ein Gut in Wellmersdorf. Diese Überlassung soll eine Entschädigung für angetane Ungebühr sein.[1]
Entstanden ist der Name Wellmersdorf durch die Ansiedlung von Willimar und seiner Sippe, die hier einen Hof anlegten. Aus der Bezeichnung Willimars Dorf wurde Wellmersdorf.[1]
Unweit des Ortes fanden sich in der Wellmersdorfer Heide Teile einer ehemaligen Wallfahrtskapelle aus dem 16. Jahrhundert. Nachdem sie unter Denkmalschutz gestellt wurden, bedeckte man die Überreste wieder mit Erde.[1]
Besonders erwähnenswert ist unser, in der Ortsmitte befindliches Gemeindebackhaus mit Viehwaage aus dem Jahre 1840. Es ist ein Sandsteinquaterbau mit Satteldach, Fachwerkgiebel und Backsteinausfachung.
Im Jahre 1860 wurde das Schulhaus errichtet, 1875 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, seit 1876 bestand ein Standesamt in Wellmersdorf und 1921 wurde der Ort an das Stromnetz angeschlossen.
Das neue Schulhaus, in dem sich jetzt der Kindergarten befindet, wurde 1955 errichtet.
Im Zuge der Gebietsreform, 1978 schloss sich Wellmersdorf der Großen Kreisstadt Neustadt bei Coburg an.
In vergangenen Zeiten gab es zahlreiche Vereine in Wellmersdorf, z.B. die Abendgesellschaft Frohsinn, den Lese- und Gesangsverein für Wellmersdorf, Boderndorf und Kemmaten, den Kasinoverein Wellmersdorf, den Krieger- und Militärverein und den Schützenverein Jägerslust von 1907.
Der im Moment einzig noch aktive Verein ist der Feuerwehrverein, der vom Dorffest bis zum Backofenfest das Dorfleben in Wellmersdorf am Leben erhält.
Wellmersdorf gehört, neben den anderen 13 Dörfern Aicha, Bieberbach, Birkig, Blumenrod, Boderndorf, Fechheim, Fürth am Berg, Horb, Kemmaten, Mittelwasungen, Oberwasungen, Plesten und Unterwasungen zur Kirchengemeinde Fechheim. Ihre Michaelskirche ist eine der Ur-Pfarreien im Coburger Land.
Eine Wander- oder Radtour, vorbei an den drei Eichen, durch die Heide nach Wellmersdorf ist immer ein Erlebnis. Belohnt wird man im Dorf mit schönen Einkehrmöglichkeiten im Hotel Heidehof oder im Landgasthaus Zum Engel.
[1]Quelle: Festvortrag zum Jubiläum 700 Jahre Wellmersdorf von Heimatpflegerin Isolde Kalter
700 Jahre Wellmersdorf
Am 07. und 08.Juli 2007 fanden die lange und aufwendig vorbereiteten Festtage zu unserem großen Jubiläum in Wellmersdorf statt.
Hierzu erschien in der NEUEN PRESSE COBURG am 09.07.2007 folgender Artikel:
Ein Festkommers bildete den Auftakt zu den Jubiläumsfeiern in Wellmersdorf, bei denen die erstmalige schriftliche Erwähnung vor 700 Jahren im Mittelpunkt stand. Noch viel weiter zurück reichte der Blick von Heimatpflegerin Isolde Kalter bei ihrer zeitgeschichtlichen Reise in die Vergangenheit des Neustadter Ortsteiles.
WELLMERSDORF – Sie schilderte die regionalen Gegebenheiten im Hochmittelalter und begann mit ihrer Chronik im Jahre 1120. Damals war Fechheim das eigentliche Zentrum in der waldreichen Hügel- und Bergwelt südlich von Neustadt.
Als Voraussetzung für die Ansiedlung einer Ortschaft an der Nordostflanke des Stiefvaters nannte sie die seit langem bestehende Salzstraße, die vom Norden her aus Halle an der Saale über Brüx in Richtung Lichtenfels und von dort weiter nach dem Süden verlief.
Etwa um 1220 zog eine große Sippschaft in die Hügel südlich von Neustadt, um sich oberhalb der ausgedehnten Sümpfe im Talgrund niederzulassen. Ihr Anführer hieß auf althochdeutsch Wilimâr und von der Bezeichnung „Wilimârs Dorf“ leitet sich höchstwahrscheinlich der Namen Wellmersdorf ab. Ob dies so stimmt oder andere Erklärungen, die eher in den slawischen Varianten Velimer oder Velomír die Wurzeln des heutigen Namen sehen, stellte an diesem Abend nur eine Fußnote in der Chronik dar.
Die Vorspann-Dienste, die Wilimârs Sippe für die Transporte des „weißen Goldes“ über den Stiefvater leistete, sicherte den Fortbestand der Ansiedlung, deren eigentliche „Geburtsstunde“ wiederum ein Jahrhundert später schlug.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die seit der Gebietsreform zu Neustadt gehörende Gemeinde am 13. September 1307. Graf Walter von Barby als Statthalter der Coburger Besitztümer des Landesherrn Markgraf Hermann von Brandenburg vermachte ein Gut in der Wellmersdorfer Flur per Urkunde an die Mönche von Kloster Banz. Ausdrücklich vermerkte der Graf von Barby, dies geschehe als eine Art Wiedergutmachung, jedoch ohne das zuvor geschehene Unrecht genauer zu benennen. Da mit dem Gut das ganze Dorf in den Besitz der Mönche überging, liegt die Vermutung nahe, dass in diesen Jahren die gesamte Bevölkerung aus einer einzigen Familie und ihren Bediensteten bestand.
Die Geschichte einer oder mehrerer Familien bestimmten die Entwicklung Wellmersdorf über die Jahrhunderte hinweg. Ab 1320 herrschten die Henneberger als Erben der Andechs-Meranier über diesen Flecken. Von 1420 an bis zum Ersten Weltkrieg zählte Wellmersdorf zum Einflussbereich der Wettiner. Isolde Kalter führte in Abständen von 100 Jahren die wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Ereignisse an, die sich 1520 mit der Ära der großen Pilgerfahrten fort setzten.
—————— Spuren der Verwüstung ——————
In den Zeiten, als der Reformator Martin Luther den Ablasshandel scharf kritisierte, verzeichneten die amtlichen Steuerrollen zehn Familien im Dorf. Der 30-jährige Krieg hinterließ vier Jahre nach seinem Beginn Spuren der Verwüstung von Kronach bis nach Südthüringen und verschonte auch Wellmersdorf nicht. Bei den Erhebungen 1638 zählte man in dem ausgeraubten und geschundenen Dorf nur mehr ein Rind.
Weitere 100 Jahre später sorgte der 20 Jahre zuvor eingeführte Gregorianische Kalender für ein zeitgeschichtliches Kuriosum: Im Gebiet von Oberfranken, das sich der protestantischen Glaubensrichtung zugewandt hatte, „gewannen“ Reisende jene zehn Tage hinzu, die durch die katholische Kalenderreform gestrichen worden waren. Langsam erst setzte sich die neue Zeitrechnung flächendeckend durch. Um 1820, während der Napoleonischen Kriege lebten 16 Familien, 1 Witwe und 1 Lehrer in Wellmersdorf.
Seit 1816 galt ein generelles Rauchverbot auf allen öffentlichen Plätzen, schlug Isolde Kalter einen großen Bogen zur aktuellen Lage. Damals wurde dieses Verbot jedoch aus Feuerschutzgründen erlassen, denn die Häuser waren fast ausschließlich aus Holz errichtet. 1920 vollzog sich die Zugehörigkeit des Coburger Landes zu Bayern. Bei der Volksabstimmung ein Jahr vorher stimmten alle 31 wahlberechtigten Bewohner von Wellmersdorf geschlossen für diesen Plan.
Die Zeitreise von Isolde Kalter endete im Jahr 1931, als die Bürger die Elektrifizierung ihres Dorfes erlebten. Im nach wie vor kleinen Wellmersdorf gab es ein reges Leben. Neben der Feuerwehr bestanden um 1920 fünf weitere Vereine, die alle Bereiche von Kunst, Kultur und Sport abdeckten.
Die über 600 Jahre währende Gemeinschaft aus einigen wenigen Familien wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die beginnende Industrialisierung und ganz wesentlich in der Folge der beiden Weltkriege nachhaltig verändert. In zwei Wellen vergrößerte sich Wellmersdorf durch den Zuzug von Vertriebenen und Flüchtlingen.
Diese Entwicklung wurde in einer sehr ungewöhnlichen Ausstellung in einem zweiten Zelt auf dem Festplatz dokumentiert. Alle Familien im Dorf hatten tief in ihren Schatztruhen gegraben und präsentierten „ihre“ Geschichte als Bewohner und die ihrer Häuser. Aus zum Teil unwiderbringlichen Aufnahmen ergab sich ein Mosaik der Dorfentwicklung ebenso wie der technischen. Ihre Erinnerungen an längst vergangenen Zeiten brachten die Bürgerinnen und Bürger auch zu Papier. So zum Beispiel die Familie Hartleb aus dem Hause Nr. 1, deren Chronik 1893 mit der Heirat von Johann Georg Hartleb aus Grattstatt mit Emma Katharina Wank aus Ottowind beginnt und die sich in Wellmersdorf niederließen.
Neben diesen privaten Geschichten gab es auch Erinnerungen an den 11,5 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Wellmersdorfer Hausberg oder das vermutlich älteste Schriftstück aus dem Dorf. In der Feuerwehrchronik fand man die Einladung zum großen Kommersabend vom 15. Mai 1926. Der Vorsitzende Julius Schelhorn unterzeichnete die Einladung zum 25-jährigen Fahnenjubiläum der Dorfwehr.
Weitere Text- und Bilddokumente gab es über das Hochwasser vom Mai 1937, den großen Sturm, der 1958 wütete und über die Gebietsreform der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts zu sehen. Mit Stolz wurden Bilder der ersten mit Benzin angetriebenen Fahrzeuge im Dorf gezeigt, darunter ein Ford 12M, Baujahr 1951, von Günther Hartleb oder die Beiwagenmaschine von Werner Bohl, eine 250er NSU-Max aus dem Jahr 1935. Ergänzt wurde die Ausstellung von der ersten Flurkarte aus dem Jahre 1860, der eine aktuelle Luftbildaufnahme gegenüberstand.
—————— Gemeinschaftsarbeit besonders gewürdigt ——————
Diese außergewöhnlich gestaltete Gemeinschaftsarbeit wurde von allen Festrednern entsprechend gewürdigt. „Zukunft ohne Vergangenheit ist wie eine Frage ohne Antwort“ fasste Staatssekretär Jürgen W. Heike seinen Eindruck in Worte. Stellvertretender Landrat Hans-Joachim Lieb erinnerte sich an den Beginn seiner Amtszeit, in der eine Wellmersdorfer Bürgerin, nämlich Frau Hartleb, maßgeblich für den Erfolg einer Sammelaktion für die Anschaffung des ersten Fahrzeuges der Rettung verantwortlich zeichnete. Den Zusammenhalt innerhalb der Dorfgemeinschaft charakterisierte er mit dem Sprichwort „Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann werden die Schatten hinter dir sein.“
Oberbürgermeister Frank Rebhan beschloss den Reigen der Gratulanten mit den Glückwünschen des Stadtrates und zitierte die Antwort von Silke Baudler auf die Frage, wie viele Helfer ihr zur Seite gestanden hätten: „Jeder im Dorf, der laufen kann“. Als Vorsitzende des Feuerwehr-Vereines stand Silke Baudler an der Spitze der Organisation und moderierte die Veranstaltung im Festzelt. Erfreut aufgenommen wurde die Ankündigung von Oberbürgermeister Frank Rebhan, dass zum „runden Geburtstag“ der beschädigte Dorfbrunnen wieder reaktiviert und das Feuerwehrhaus an die Trinkwasserversorgung angeschlossen wird.
Pfarrer Kurt Loris sprach von der irdischen Heimat, die dort zu finden ist, wo man Wurzeln schlägt. Wellmersdorf habe in seiner Vergangenheit zahlreichen Heimatsuchenden den Platz zum Verwurzeln geboten. „Die irdische Heimat bietet innere Ruhe und sorgt für Gelassenheit. Sie ist jedoch räumlich und zeitlich begrenzt“ fügte er hinzu und gemeinsam mit Kirchenvorsteherin Doris Gahn sprach er Fürbitten für Wellmersdorf. pen
Die Wellmersdorfer Jagdhornbläser ließen es sich nicht nehmen, mit ihren Instrumenten die 700-Jahr-Feier musikalisch zu gestalten. Die von ihnen gespielten Stücke wie „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“ oder „Sammeln der Jäger“ wurden mit viel Applaus belohnt und erinnerten auch an die Geschichte der Jäger und Sammler, die einst die Fundamente für das Dorf an den Hängen des Stiefvaters legten. Bild NP